INTERVIEWS

November 2016 - Katja Rieckermann im Interview - wir sprachen mit der Saxofonistin über die neuen Aufgaben beim Rockballett "Heart of Storm" und die anstehende Tour im Februar 2017

 

Frage: Hallo Katja, seit unserem letzten Gespräch ist einige Zeit vergangen. Seit Mitte des Jahres bist Du jetzt Teil der Band des Rockballetts „Heart of Storm“. Hast Du Dich dort gut eingelebt? Wie waren die ersten Monate mit den neuen Kollegen?

 

Katja Rieckermann: Ja, das Projekt ist toll. Die Musik ist super und die Kollegen sind allererste Sahne, wenn man das so sagen darf. Insgesamt sind wir ein ganz tolles Team. Ich freue mich schon sehr auf die Tour im kommenden Jahr.

 

F: Was ist anders im Vergleich zu den Bands, in denen Du vorher gespielt hast?

 

KR: In"Heart of Storm" wird eine Geschichte erzählt. Sozusagen eine moderne Version von “Romeo und Julia” , die durch erstklassiges, modernes Ballett dargestellt wird. Die Musik ist natürlich für den Tanz sehr wichtig, da alles bis auf das kleinste Details durchchoreographiert ist. Alex Rosenberg, der Produzent, ist der Meinung, dass die Musik etwa 70 Prozent der Show ausmacht und legt daher auch großen Wert darauf, dass die Band auf der Bühne genauso sichtbar ist wie die Tänzer.

 

F: Spielst Du auch Songs, die Dir von früheren Auftritten her bekannt sind? Oder musstest Du Dich in die Setlist komplett neu einarbeiten?

 

KR: Die ganze Musik ist neu - für mich und alle anderen Kollegen. Sie wurde ausnahmslos für diese Show komponiert und wir alle mussten uns erst komplett einarbeiten. Und bis zum ersten Auftritt wird es noch zahlreiche Rehearsals und Proben geben.

 

F: Deine erste Tour mit HOS führt Dich gleich nach Deutschland. Mit Rod Stewart waren die Auftritte in Deiner Heimat immer etwas Besonderes, aber mit "Heart of Storm" ist das wahrscheinlich nochmal eine andere Hausnummer, oder? Mit welchen Gefühlen und Erwartungen kommst Du nach Germany?

 

KR: Na, ich freue mich natürlich sehr. Meine Familie und meine Freunde werden bei den Shows sein und dann habe ich auch noch Geburtstag in der Zeit. Da wird hoffentlich ordentlich gefeiert. Darüberhinaus hoffe ich aber auch, dass wir mit "Heart of Storm" bald auch in anderen Ländern auf Tour gehen werden. Ich bin mir sicher, dass das Ganze ein riesiger Erfolg wird, denn die Show ist einzigartig und wird sicher bei allen Altersklassen ankommen.

 

F: Der Tourplan ist ja relativ eng gestrickt, die sechs Konzerte in Deutschland plus die Show in Zürich, das alles so ziemlich genau innerhalb einer Woche. Bleibt da überhaupt noch Zeit, Freunde und Familie zu treffen?

 

KR: Während der Tour ist das sicher schwer, weil wir ja fast an jedem Abend in einer anderen Stadt sind. Aber ich beabsichtige nach der letzten Show (23. Februar in Frankfurt, Anm. d. Redaktion) noch einige Tage in Deutschland zu bleiben und meine Heimatstadt zu besuchen. Da werde ich dann sicher alle Freunde und meine Familie sehen und einige Zeit mit ihnen verbringen können.

 

F: Dein letzter Auftritt in Deutschland ist jetzt fast zweieinhalb Jahre her. Deine Fans hoffen, dass es nach der HOS-Tour nicht wieder solange dauert, bist Du das nächste Mal in Deutschland unterwegs bist. Hast Du schon Pläne über den Februar hinaus? Etwa noch einmal ein Album? Oder eine eigene Tour?

 

KR: Nein, im Moment nicht. Ich konzentriere mich jetzt erst einmal auf die Tour im Februar. Andere Dinge sind zunächst zweitrangig. Aber sicherlich wird sich im kommenden Jahr das ein oder andere ergeben. Ein neues Album? Warum nicht? Derzeit suche ich aber erst einmal einen Booking Agent/Promoter für meine eigene Band. Wenn ich den gefunden habe, ergeben sich andere Projekte vielleicht automatisch.

 

Das Interview führte Martin Heidt (25.11.16/xmh)

 


Mai 2014 - Katja Rieckermann im Interview - kurz vor Beginn der Deutschland-Tour von Rod Stewart - sprachen wir mit Katja Rieckermann über ihre Heimat, den Beginn ihrer Karriere, das Leben als Musikerin im allgemeinen und einige andere Dinge.  

 

Frage: Erst im Juli und September letzten Jahres bist Du mit Rod Stewart zu zwei Konzerten nach Dortmund und Hamburg gekommen. Hast du gedacht, dass Dich Dein Weg so schnell wieder in die Heimat bringen würde?

 

Katja Rieckermann: Ich freue mich, dass wir dieses Jahr wieder in Deutschland auftreten. Das ist immer etwas Besonderes für mich. Ich nutze die Gelegenheit immer gerne, um meine Familie und Freunde zu treffen. Natürlich hoffe ich auch in diesem Jahr das ein oder andere Spiel der Fußball-WM in meiner Heimat miterleben zu dürfen. Das ist ja ein ganz besonderes Erlebnis! Obwohl ich schon seit 1997 in Los Angeles lebe, bin ich in meinem Herzen doch immer noch sehr deutsch.

 

Worauf freust Du Dich am meisten, wenn Du wieder nach Deutschland kommst?

 

Ich freue mich darauf, ein wenig Zeit in Berlin, Mannheim, München und Köln verbringen zu dürfen. Da ich ursprünglich aus Hamburg komme, kenne ich diese Städte nicht so gut. Ansonsten freue ich mich auf Schwarzbrot und salzige Lakritze.

 

Der Norden ist Deine Heimat, aber Du hast auch zu Köln eine irgendwie besondere Beziehung. Was hat es damit auf sich?

 

In Köln habe ich vor langer Zeit mein Alt Saxofon gekauft. Bin damals – das müsste so etwa 20 Jahre her sein – mit dem Zug nach Köln gefahren, haben dort Saxofone ausprobiert und dort mein „Mark 6“ gefunden. Das spiele ich heute noch und daran hängt mein Herz sehr.

 

Du tourst mit Rod seit vielen Jahren um die ganze Welt. Welcher Auftritt war am beeindruckendsten?

 

Das war das „Concert for Diana“ im Wembley-Stadion 2007. Es wurde live in 140 Länder übertragen.

 

Stichwort Lampenfieber. Bist Du vor einem Auftritt nervös?

 

Das kommt drauf an. Wenn ich in Deutschland spiele, bin ich meistens nervös, da ich viele Bekannte im Publikum habe. Auch bei Fernsehauftritten spüre ich viel Druck, denn sie meistens live und da kann man einen eventuellen Fehler nicht mehr korrigieren. Ich war auch sehr aufgeregt vor der Queen of England zu spielen. Das war in einem ganz kleinen Rahmen, vielleicht 100 Gäste, und die Queen saß in der ersten Reihe. Uns wurde gesagt, ihr nicht in die Augen zu schauen. Und mitten in diesem Konzert passierte es dann. Ich sah von meinem Notenpapier hoch – wir spielten gerade Jazz Standards – und meine Augen trafen ihre. Da habe ich mich total erschrocken, aber natürlich ist nichts passiert.

 

Gab es eine Show vor der Du besonders aufgeregt warst?

 

Ja, das war das eben erwähnte „Concert for Diana“. Ich war so nervös, dass meine Lippen gezittert haben. Und deshalb habe ich dann während meines Solos einen Ton überblasen und eine Note gespielt, die ich nicht beabsichtigt hatte. Aber hey, das ist Showbiz!!!! Man muss lernen, solche Dinge nicht zu ernst zu nehmen.

 

Jetzt mal weg von Rod und der Tour. Was macht Katja Rieckermann sonst? Wie darf man sich Dein Leben als Saxofonistin vorstellen?

 

Wenn ich nicht mit Rod auf Tour bin, spiele ich in Los Angeles mit einigen verschiedenen Bands. Da gibt es einmal meine eigene kleine Jazz Band, mit der ich regelmäßig im „Vibrato Grill Jazz“ in LA auftrete. Es ist ein sehr schöner Jazz Club, der Herb Alpert (Anm. der Redaktion: Herb Alpert ist ein amerikanischer Trompeter und unter anderem der Gründer des Platten-Labels A&M Records) gehört. Ansonsten spiele ich in einem sogenannten „Burlesque Act“ und bin schon sehr lange Mitglied einer All Star Jam, die aus Musikern besteht, die sonst mit bekannten Größen der Musikszene auf der Bühne stehen. Ab und an stehen auch Studio Jobs auf dem Programm, z.B. mit Dave Stewart von den Eurythmics. Es ergeben sich immer wieder neue Projekte, so wie im Dezember, als ich mit den lateinamerikanischen Superstars Amanda Miguel und Diego Verdaguer aufgetreten bin und auch mit Mary J. Blige in einer TV-Show performt habe.

 

Du hast zwei eigene Alben auf den Markt gebracht. Die Veröffentlichung von „Horn Star“ liegt aber schon knapp vier Jahre zurück. Aber alle dürfen beruhigt sein: Ende des Jahres wird ein neues, dein drittes eigenes Album erscheinen. Erzähl uns etwas darüber.

 

Ja, das ist richtig. Seit Februar arbeite ich an meiner neuen CD „Never Stand Still“. Das Album beinhaltet dieses Mal ausschließlich eigene Kompositionen im Stile von Memphis Soul und Motown. Ich habe die letzte Zeit damit verbracht, Songs zu schreiben. Die Songs sind inzwischen alle geschrieben, im Juli, wenn wir bei der Tour eine Pause einlegen, wollen wir ins Studio gehen und geplant ist, dass das Album im November veröffentlicht wird.

 

Das neue Album kommt also in absehbarer Zeit. Gibt es bei Dir Überlegungen, auch mal eine eigene Tour in Deutschland zu starten, zum Beispiel in einem ähnlichen Rahmen wie bei den regelmäßigen Jazz-Sessions in LA?

 

Das wäre schön und das möchte ich auch unbedingt machen. Aber erst nach der Veröffentlichung der CD und dann, wenn wir mit Rod Stewart eine kleine Pause haben, was wohl Anfang 2015 der Fall sein wird.

 

Gibt es einen Künstler mit dem Du unbedingt einmal auf der Bühne stehen möchtest?

 

Momentan habe ich nur meine eigene CD im Kopf. Wir haben soviel Spaß dabei, Songs zu schreiben… Diese Kreativität hat mir in den letzten Jahren gefehlt. Aber natürlich gibt es sehr viele Künstler, mit denen ich gerne auf der Bühne stehen würde. Da ich seit 17 Jahren in den USA lebe, weiß ich nicht so ganz genau, wer denn im Moment in Deutschland angesagt ist. Aber mir fallen auf jeden Fall Marius Müller-Westernhagen oder auch Peter Maffay ein.

 

Jetzt driften wir etwas ab. Dein Bruder Ralph war viele Jahre Bassist bei den Scorpions. Ist er „schuld daran“, dass Du im Musikbusiness Deinen Weg gesucht hast?

 

Definitiv!!! In meinem Elternhaus wurde eigentlich nie Musik gehört bis mein Bruder Ralph mit 13 Jahren angefangen hat, Gitarre zu spielen. Er hat auch ständig Schallplatten gehört – Earth, Wind & Fire, Genesis, The Who, Weather Report usw… eigentlich alles, was zu der Zeit damals alles in war. Mir gefiel sofort die Musik der Bläser am besten. TOP, Steely Dan, Chicago, Maze… das hat mich in den Bann gezogen. Während meine Freunde die Texte mitgesungen haben, summte ich die Parts der Bläser mit. In den 70er Jahren war das Saxofon Solo ja sehr angesagt. Mir ist das bei meinem ersten Live-Konzert sofort aufgefallen. Das war Al Jarreau. Er hatte David Sanborn als Saxofonisten, der hat damals einen sehr großen Eindruck auf mich gemacht. Ich glaube, da war ich 17. Richtig angefangen, Sax zu spielen, habe ich aber erst mit 21.

 

Deine Musikkarriere kam ja zu Anfang nur sehr schwer ins Rollen. Wer hat Dich in den ersten schwereren Jahren am meisten unterstützt?

 

Soweit ich mich erinnern kann, niemand außer meinem Bruder Ralph. Mit ihm wohnte ich damals schon zusammen und wir haben uns im Schlachthof in Hamburg einen Proberaum geteilt. Meine Eltern wollten, dass ich etwas Anständiges mache und alle anderen dachten ich würde meine Zeit verschwenden. Nebenbei litt mein Privatleben sehr. Denn während sich meine Freunde am Wochenende getroffen und jede Menge Spaß hatten, habe ich im Proberaum gesessen und Tonleitern geübt.

 

Gab es in dieser Zeit auch Gedanken daran, alles hinzuwerfen und der Musik den Rücken zu kehren? Eventuell einen ganz „normalen“ Bürojob oder ähnliches anzunehmen?

 

Eher nicht. Als ich angefangen habe mit dem Saxofon spielen, habe ich gleichzeitig eine Ausbildung zur Fremdsprachen-Sekretärin gemacht. Nach einem Jahr war ich damit fertig und hatte daraufhin Halbtags-Jobs in verschiedenen Firmen. Dabei habe ich aber festgestellt, dass das Büroleben nicht wirklich etwas für mich ist. Mein Hauptaugenmerk galt auch in dieser Zeit daher immer dem Saxofon. In den ersten Jahren habe ich acht Stunden am Tag geübt und durch die Halbtags-Jobs meine ersten Jahre im Musikbusiness finanziert.

 

Viele denken beim Stichwort „Musiker auf Tournee“ ja gleich an ein tolles Leben und den altbekannten Slogan „Sex, Drugs & Rock’n’Roll“. Ist es das wirklich?

 

Ha, die Zeiten sind vorbei. Jedenfalls bei uns in der Band. Einige der Bandmitglieder sind bei den AA (Anonyme Alkoholiker), haben also ihre Partyzeiten längst hinter sich. Andere sind verheiratet und haben Kinder. Viele von uns sind große Netflix-Fans (Anm. d. Redaktion: Netflix ist eine große, in den USA beheimatete Online-Videothek). Ich habe letztes Jahr zum Beispiel sämtliche Staffeln von „Breaking Bad“ während der Tour geschaut. Übrigens: Die beste TV-Serie ever….. Wenn ich das gerade erwähnen darf…

Wir verbringen ja auch viel Zeit im Tour-Bus. Da sind die Möglichkeiten auch nicht so groß. An freien Tagen gehe ich in der jeweiligen Stadt auch gerne einmal auf Erkundungstour, schaue mir die Sehenswürdigkeiten an oder besuche ein Museum. Ich freue mich schon auf dass Schloss in Heidelberg, wenn wir im Sommer in Mannheim spielen.

Rod reist nicht mit uns. Er ist ja auch glücklich verheiratet und hat zwei kleine Kinder. Meistens huscht er unmittelbar nach Konzertende von der Bühne und in die Limousine, die ihn direkt zu seinem Privatjet und nach Hause zu seiner Familie bringt.

Im Grunde ist das Touren mit der Rod-Stewart-Band wie das Leben in einer Großfamilie. Wir verstehen uns alle super und sind füreinander da. Während der letzten Tour in Südamerika hatte ich Geburtstag. Es war an einem freien Tag in Montevideo. Rod hat eine Geburtstagsfeier für mich organisiert und uns alle zum Dinner eingeladen. Mit Geschenken und Geburtstagstorte. Es war ein unvergesslicher Abend.

 

Zum Abschluss nochmal zurück zur Rod Stewart-Tour. Auf was dürfen sich die Leute, die die Konzerte besuchen, freuen – abgesehen von Deinen Sax-Soli?

 

Die Show ist visuell der Hammer, um es einmal schnörkellos zu beschreiben. Wir haben drei Video-Leinwände und zu jedem Song gibt es ein anderes Design. Jeder Musiker in der Band ist vollkommen in die Show eingebunden und natürlich ist Rod nach wie vor absolute Spitze. Es wird ein Hit nach dem anderen gespielt und es gibt einige Outfit-Wechsel während der Show. Und wer viel Glück hat, kann bei dem Konzert einen Fußball erhaschen.

 

Das Interview führte Martin Heidt